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Part of the reason that Duchamp's objects are fascinating while Picasso's voice is fading is that the Duchamp pieces are truly between media, between sculpture and something else, while Picasso is readily classifiable as a painted ornament.

Mit diesen Worten beschreibt Dick Higgins 1966 in seinem Statement über Intermedia das Ende einer Kunst, die in Kategorien eingeteilt ist. Seiner Meinung nach lag die Zukunft der Kunst in der Ausarbeitung des Happenings, wo Skulptur, Malerei, Poesie, Musik und Performance zu gleichberechtigten Teilen eines Werks werden. Und tatsächlich lässt sich diese Tendenz des gattungsübergreifenden Kunstwerks als eine Konstante in der Kunst des 20.Jahrhunderts sehen. Gleichzeitig sollte die Kunst mehr sein als ein bloßes Abbilden, sondern es sollte verstärkt der Betrachter und dessen eigene Kreativität in die Arbeiten einbezogen werden. "Wer nur zusieht, nimmt nicht Teil" (Arthur Köpcke).

"Big Baby" wurde erbaut von Red White, inspiriert wurde er dabei durch ein Interview, das George Lukas - der Erfinder von "Star Wars" - dem Magazin "wired" (2/1997) gab. Darin warnte Lukas vor einer bedingungslosen Technikgläubigkeit, da sich schon heute geistige Intelligenz und emotionale Intelligenz, die er als wichtiger einstuft, in ihrer Entwicklung stark von einander entfernt haben.

"Big Baby" spiegelt diese Divergenz zwischen emotionaler und geistiger Intelligenz in paradoxer Weise. Die Proportionen zwischen Kopf und Körper scheinen zunächst auf ein Übergewicht des Intellekts zu deuten, doch ist bei einem Kleinkind dieses Verhältnis gerade umgekehrt. Das geistige Potenzial muss erst entwickelt werden und so steht zuallererst der reine Trieb im Vordergrund. Das Überleben sichert vorerst das Erlernen von sozialen Fähigkeiten. Durch den Maschinencharakter der Skulptur und den hölzernen Heuwagen, auf dem das Baby liegt, wird dieser Umstand noch akzentuiert. Beides - die Erfindung des Rads, wie die Erschaffung eines Androiden - sind zeitlich weit von einander entfernte Symbole für den menschlichen Erfindungsgeist. Doch hat der Mensch noch immer nicht gelernt, mit dem Rad emotionell vernünftig umzugehen.

In seiner Erscheinung wirkt "Big Baby" monströs und archaisch, ähnlich den riesigen Steinköpfen der mexikanischen Olmekenkultur, die auch "baby faces" genannt werden. Wird die Skulptur jedoch bespielt, erwacht sie zum Leben. Doch ist es kein menschliches Leben, sondern ein von Menschen geschaffenes. Klaus Filip's computergenerierte Musik aus dem Laptop trifft auf die Schattenrisse von Cynthia Schwertsiks Bewegungen. Die Plexiglashaut wird zur Projektionsfläche von inneren Handlungen - aber umgekehrt auch für Phantasien von Außen.

Peter Kloser, Kunsthistoriker